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Unser Gesundheitssystem braucht Reformen. Die Schweiz zeigt den Weg

Unser Gesundheitssystem braucht Reformen

Unser Gesundheitssystem steht vor extremen Herausforderungen und das nicht erst seit gestern. Schon seit Jahrzehnten diskutiert man immer wieder „Reformen“, die alles verbessern würde und trotzdem ändert sich nichts zum Guten, im Gegenteil die Möglichkeiten für Gesetzlich Versicherte an einen passenden Facharzt zu kommen werden immer weniger. Die Wartezeiten steigen ins Unermessliche. Krankenhäuser können sich kaum noch finanzieren. Ich würde so weit gehen zu sagen, dass unser Gesundheitssystem langsam aber sicher kollabiert. Doch was sind die Gründe?

Ein System der Spaltung

In Deutschland hat anders als viele andere Länder auf der Welt ein System aus zwei verschiedenen Krankenkassensystemen.

Bei der privaten Krankenversicherung orientieren sich die Kosten für den Versicherten, nach seinem individuellen Risiko (dem Alter bei Eintritt und dem allgemeinen Gesundheitszustand). Die Leistungen sind oft signifikant besser als bei den gesetzlichen Krankenkassen.

Gesetzliche Krankenkassen sind vom Staat stark reguliert und abgesehen von den Zusatzbeiträgen hauptsächlich über den sogenannten Gesundheitsfonds finanziert. Die Beiträge sind hier einkommensabhängig. Was viele hier nicht direkt überblicken ist, dass durch den sogenannten „Arbeitgeberanteil“ die Kosten stark beschönigt werden. Haben wir z.B. den aktuellen Satz (14,6% des Bruttogehaltes), so kommt noch ein durchschnittlicher Zusatzbeitrag (aktuell 2,9%) dazu. Dann teilen sowohl Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber den Gesamtbetrag, wodurch nur die Hälfte (Indem fall 8,75%) auf dem Gehaltszettel erscheinen. Praktisch zahlt hier aber der Arbeitgeber die volle Höhe (17,5%).

Gerade ca. 10% sind in der sogenannten „privaten Krankenversicherung“ versichert, da nur gutverdienende mit einem Gehalt von über 77.400 € Brutto (Jahr 2026) sich überhaupt versichern dürfen. Hinzu kommen dann aber interessanterweise auch Selbstständige und Beamte. Ca. 90% aller Menschen in Deutschland müssen sich zwangsweise Gesetzlich versichern, selbst wenn sie sich die Beiträge einer PKV (Im Durchschnitt 617€ im Monat), durchaus leisten könnten. Sehr interessant dabei auch, dass, das Mindestgehalt für Angestellte jährlich immer weiter erhöht wird. So wird aus einem vermeintlich Alternativen System eine Möglichkeit des Ausweichens für wenige besonders betuchte Menschen. Was viele auch nicht wissen, der Gesundheitszustand selbst ändert in der Regel nicht die Höhe des Betrages. Lediglich der Zustand bei Eintritt ist hier entscheidend.

Wie machen wir das System gerechter?

In Deutschland sind wir uns wohl alle Einig, dass es mit unserem Gesundheitssystem so nicht mehr weitergehen kann. Es kann nicht sein, dass Krankenhäuser derart überlastet werden und immer mehr Ärzte fehlen. Es darf nicht möglich sein, dass Menschen die dringend Hilfe brauchen, vielleicht sogar lebensgefährlich erkrankt sind, Monate, oder sogar Jahre auf dringende Hilfe warten müssen. 6-8 Mrd Euro fehlen laut Bundesgesundheitsministerium jährlich, wenn es keine weiteren Reformen gibt. Wie kann das sein, wenn in Anbetracht dessen die Zusatzbeiträge einen Rekordwert aufweisen und in Zukunft noch weiter steigen? Wir zahlen immer mehr und bekommen dafür immer weniger Leistung, denn auch die privaten Zuzahlungen in Praxen und Kliniken steigen inzwischen rasant.

Eine der meistverbreiteten Forderungen, besonders bei linken Bewegungen ist, die private Krankenversicherung abzuschaffen und alle in der sogenannten gesetzlichen Versicherung einzahlen zu lassen. Die Frage, die sich mir allerdings stellt, macht es das System wirklich, besser und gerechter? Ist nicht vielleicht gerade dieser regulierte Gesundheitsfonds und der fehlende Wettbewerb der Grund dafür, dass unser Gesundheitssystem immer ineffizienter arbeitet? Ist es wirklich so unfair, dass die Kosten für ältere Menschen steigen, wenn dieses Szenario doch mehr oder Minder vorhersehbar ist?

Warum nicht die Schweiz als Vorbild?

Wenn wir uns in Europa durchschauen, tritt das schweizerische Gesundheitssystem stark hervor. Es ist bekannt für eine Freie Arzt- und Spitalwahl, einen direkten Zugang zu Fachärzten und vor allem sehr kurze Wartezeiten, bei einer hohen Versorgungsdichte. Genau das, was wir uns für Deutschland wünschen würden.

Wer nun meint, dass Deutschland einfach nur zu wenig investieren würde, den muss ich korrigieren, denn sowohl Deutschland als auch die Schweiz geben ca. dasselbe für die Gesundheit aus. Laut OECD, ca. 11,5-12,3% des BIPs. Wie kann das sein, wenn sich zeitgleich die Effizienz und das Patientennutzen so stark unterscheidet?

Anders als in Deutschland gibt es in der Schweiz eine frei wählbare private Grundversicherung. Sie gilt anders als bei der deutschen gesetzlichen Versicherung pro Person und wird unabhängig vom Einkommen bezahlt.

Krankenkassen sind in der Schweiz zwar stark reguliert, konkurrieren aber untereinander, was durchaus die Beiträge drosseln, oder auch Leistungen verbessern kann. Hinzu kommt ein Selbstbehalt von 10%, welcher aber maximal auf (700CHF) gedeckelt ist. Dieser Eigenanteil ist ein bewusstes Steuerungsinstrument für mehr Eigenverantwortung und Kostendämpfung. Er verhindert nicht jede unnötige Konsultation, reduziert aber übermäßigen Gebrauch spürbar, bei gleichzeitig höherer Patientenzufriedenheit.

Die Kosten dieser Versicherung sind tatsächlich überschaubar (im Durchschnitt 465 CHF im Monat). Was viele hier ebenfalls gerne ausblenden ist, dass die Schweiz für geringere Einkommen die individuelle Prämienverbilligung (IPV) besteht. So erhalten Niedrigverdienende vom jeweiligen Kanton eine finanzielle Unterstützung, die, diese Beträge stark reduzieren, oder sogar vollständig übernehmen. Rund 28–32 % der Schweizer Bevölkerung erhalten eine Prämienverbilligung (ca. 2,4–2,5 Millionen Personen). Besonders häufig sind es Familien, Alleinerziehende und Haushalte mit niedrigem bis mittlerem Einkommen.

Mein klares Fazit

Das aktuelle System in Deutschland ist weder tragbar noch zukunftsfähig. Es ist sinnlos dies durch immer höhere Beträge deckeln zu wollen. Gleichzeitig sorgt es für einen immer größer werdenden Riss in der Gemeinschaft. Am letzteren würde sich meiner Ansicht nach aber auch ein Abschaffen der privaten Krankenkassenvorsorge wenig ändern, da jeder die gleichen Beiträge zahlen müsste, auch wenn dieser vielleicht selbst gar nicht vom Gesundheitssystem profitiert.

Meiner Ansicht nach sollten wir in Deutschland eher die Schweiz als Vorbild nehmen. Das System der gesetzlichen Krankenkassen sollte vollständig abgeschafft werden. Die private Vorsorge dagegen gehört reformiert. Jeder sollte die Möglichkeit haben sich privat zu versichern. Menschen, die sich diese Beiträge nicht leisten können sollten, dabei sinnvoll entlastet werden.

Natürlich gibt es auch in der Schweiz Punkte, die eventuell negativ sind. So sind die Kosten für Zahnarztversorgungen z.B. größtenteils nicht mit inbegriffen. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass in Deutschland die privaten Zusatzzahlungen, insbesondere bei der Zahnmedizin bereits stark angestiegen sind, oder besser gesagt zur alltäglichen Norm gehören. Ein derartiges System kann sicherlich die Kosten für einzelne Personen leicht erhöhen und würden genauso mit der Zeit leicht ansteigen. Zeitgleich würde aber dennoch eine deutlich bessere Versorgung entstehen. An unsere persönliche Gesundheit sollten wir niemals sparen. Lieber bezahlen wir etwas mehr, und bekommen im Gegenzug Qualität und Effizienz, anstatt unsere Gesundheit und vielleicht auch unser Leben aufs Spiel zu setzen.

Quellen:

OECD (Deutschland)

OECD (Schweiz)

Schweizerisches Bundesamt für Gesundheit (BAG)

Verband der Privaten Krankenversicherung e.V.

Bundesgesundheitsministerium