Warum müssen Unternehmer in der IHK, oder in der Handwerkskammer sein?
Stell dir vor, du meldest eine kleine Nebentätigkeit an. Nichts Großes, nur etwas nebenbei, um ein bisschen Geld dazu zu verdienen. Kaum ist das Gewerbe angemeldet, kommt die erste Rechnung von der IHK. Und das jedes Jahr. Du hast nie darum gebeten, Mitglied zu werden. Du wurdest einfach dazu gemacht.
Genau das ist das Problem mit der Pflichtmitgliedschaft bei den Industrie- und Handelskammern. Es geht nicht darum, ob die IHK manchmal nützliche Dinge macht. Es geht darum, dass man keine Wahl hat. Entweder du zahlst, oder du zahlst. Und das fühlt sich für viele kleine Selbstständige und Nebengewerbetreibende einfach unfair an.
Ein System von oben
Die Kammern sind keine normalen Verbände. Sie sind Körperschaften des öffentlichen Rechts. Das bedeutet, der Staat hat ihnen bestimmte Aufgaben übertragen, z.B. die Organisation von Ausbildungsprüfungen oder die Ausstellung von Ursprungszeugnissen. Und weil sie diese Aufgaben haben, dürfen sie von allen Gewerbetreibenden Beiträge verlangen. Ob du willst oder nicht.
Das klingt erstmal nach einer vernünftigen Regelung. Aber in der Praxis sieht es anders aus. Die Beiträge werden von der Vollversammlung beschlossen. Klingt demokratisch. Nur leider gehen bei diesen Wahlen meistens nur sehr wenige Leute hin. Oft sind es unter zehn Prozent. Und viele Verbände veröffentlichen danach nicht mal genau, wie viele Stimmen die einzelnen Kandidaten bekommen haben. Da fragt man sich schon, wie repräsentativ das Ganze eigentlich ist. Für jemanden, der ein kleines Unternehmen oder eine Nebentätigkeit hat, fühlt sich das an wie, dass man mitzahlt, aber praktisch nichts zu melden hat. Die großen Unternehmen sitzen in den Gremien, die Kleinen bleiben außen vor. Und weil man nicht einfach austreten kann, gibt es auch keinen echten Druck, sich um die Interessen der vielen kleinen Mitglieder zu kümmern.
Kosten ohne echten Gegenwert
Es gibt zwar Freistellungen für sehr kleine Betriebe. Wer unter einer bestimmten Gewinngrenze liegt, muss oft nichts oder nur wenig zahlen. Aber viele fallen genau in die Zone dazwischen. Dann kommt jedes Jahr eine Rechnung, die man einfach bezahlen muss. Ob man die Leistungen nutzt oder nicht.
Gerade für Leute mit einer kleinen Nebenbeschäftigung ist das ärgerlich. Man hat nicht das Gefühl, dass da jemand für einen kämpft. Man hat das Gefühl, dass man für etwas bezahlt, das vor allem die großen Player interessiert. Und wenn man dann liest, dass manche Kammern früher hohe Gehälter oder teure Gebäude aus den Beiträgen finanziert haben, wird das Misstrauen nicht kleiner.
Der Bildungsauftrag als Existenzberechtigung?
Ein Argument, das immer wieder kommt, ist die duale Ausbildung. Die Kammern organisieren Prüfungen und sorgen dafür, dass Azubis ordentlich ausgebildet werden. Das stimmt. Und das ist auch wichtig. Aber muss man dafür wirklich alle Gewerbetreibenden zwangsweise in eine Kammer stecken? Die Bildungsministerien könnten die Standards genauso gut vorgeben und mit der Wirtschaft abstimmen. Man braucht dafür keinen Mitgliedschaftszwang für jeden, der mal ein Gewerbe anmeldet.
Was wäre die Alternative?
Ich finde, jeder Unternehmer sollte selbst entscheiden dürfen, ob er Mitglied in einer Kammer sein will oder nicht. Wer die Leistungen der IHK oder der Handwerkskammer wirklich braucht, z.B. für Prüfungen oder bestimmte Bescheinigungen kann sie auch freiwillig nutzen und dafür bezahlen. Wer es nicht braucht, soll nicht automatisch zur Kasse gebeten werden.
Es würde reichen, wenn die Kammern für die Leistungen, die sie erbringen, Gebühren nehmen. So wie andere Dienstleister auch. Ohne Zwang. Ohne dass man sich jedes Jahr ärgert, wenn die Rechnung kommt.
Die aktuelle Regelung stammt aus einer anderen Zeit. Damals war die Idee vielleicht noch sinnvoll. Heute, wo es so viele kleine Selbstständige und flexible Geschäftsmodelle gibt, passt sie einfach nicht mehr. Es ist an der Zeit, dass Unternehmer wieder selbst bestimmen, wofür sie ihr Geld ausgeben und wer ihre Interessen vertritt.