Ablasshandel statt Innovation: Warum der CO₂-Preis das Klima nicht rettet
Seit 2021 zahlen wir hohen Ablass für Energie- und Kraftstoffe. 16-21Cent pro Liter Benzin und Diesel und bis zu 280€ im Jahr zusätzlich eine normale Heizung. Unser Staat nennt es Klimaschutz.
Kaum ein Thema wird seit Jahren so hart politisch diskutiert, wie die Rettung unseres weltweiten Klimas und das ist nicht unbegründet. Ein steigender Meeresspiegel ist zu beobachten mit starken Folgen für Mensch und Natur. Rekordwarme Jahre häufen sich weltweit. Regionen trocknen aus, während andere überflutet werden. Schädlinge verbreiten sich deutlich stärker aus und hinterlassen auch in deutschen Wäldern sichtbare Spuren.
Verwunderlich dagegen sind die Reaktionen selbst, die von Seiten der Aktivisten, aber auch unserer Politik selbst betrieben wird. Anstatt wirklich auf Innovationen zu setzen verfolgt man eine völlig andere Strategie die kaum noch zu hinterfragen scheint. Das Thema ist zu einen Identitätskampf geworden, bei dem es nur noch darum geht, die Probleme scheinbar zu erkennen, oder die existenz vom menschengemachten Klimawandel zu leugnen. Dennoch stellt sich für mich die Frage welchen Sinn die jeweiligen Maßnahmen haben und wem diese eigentlich treffen.
CO₂ soll bepreist und dabei auch jährlich teuer werden, mit den Ziel dass weniger verbraucht wird. Dabei ist weder klar ob dies eine unumkehrbar Lösung darstellt, noch wird über die gravierenden Folgen geredet, welche diese Regelung mit sich bringt.
Die Folgen für den Einzelnen und den Alltag
2026 liegen die Zertifikate im nationalen Emissionshandel zwischen 55 und 65 Euro pro Tonne CO₂, oft am oberen Ende, mit Nachkaufpreisen von 68 bis 70 Euro. Das macht sich in unseren alltäglichen Kosten stark bemerkbar.
Bei Gas zahlen wir z.B. bis zu 1,4 Cent pro Kilowattstunde nur für den CO₂-Anteil. Ein Einfamilienhaus mit 20.000 kWh Verbrauch zahlt damit rund 280 Euro im Jahr extra und das ist nur der Anfang. Heizöl wird mit bis zu 20,7 Cent pro Liter belastet. Benzin bis 18,5 Cent, Diesel bis 20,7 Cent pro Liter.
Dabei trifft die Belastung die niedrig Verdienenden deutlich härter. DIW und Umweltbundesamt haben das mehrfach berechnet: Haushalte im untersten Einkommenszehntel spüren 3 bis 3,5 Prozent ihres Nettoeinkommens, die oberen dagegen unter einem Prozent. Wer zur Miete in einem unsanierten Haus wohnt, zahlt doppelt, auch wenn das Kostenaufteilungsgesetz einen Teil auf den Vermieter schiebt. Von dem anfangs noch versprochenen Klimageld ist dagegen keine Rede mehr.
Der Einbau von klimafreundlichen Geräten wird von dem Staat gefördert. In den letzten Jahren hat dies jedoch zu stark erhöhten Preisen geführt. Unternehmen nutzten den Mitnahmeeffekt und entsprechende Käufer sind bereit mehr zu zahlen und hinterfragen diese Preispolitik nicht. Vergleicht man die Preispolitik in Deutschland, mit der aus Polen und Frankreich, so ist klar zu erkennen, dass selbst ohne Abzug der Förderung, die Preise in Deutschland deutlich höher liegen.
Die Folgen für Arbeitgeber, Arbeitsplätze und unserer Zukunft
Höhere Energiepreise und teurere Vorprodukte fressen Margen auf. Besonders energieintensive Branchen, wie z.B. Chemie, Stahl, Glas, Papier bekommen dies unmittelbar zu spüren. Die klar zu beobachtende Reaktion ist, dass die Produktion dorthin wandert, wo kein oder ein deutlich niedrigerer CO₂-Preis gilt.
Die kostenlosen Zuteilungen im europäischen Emissionshandel werden abgebaut. Der Grenzausgleich (CBAM) greift nur teilweise und ist bürokratisch. Deutsche und europäische Unternehmen zahlen Kosten, die Wettbewerber in Asien oder den USA nicht haben. Investitionen bleiben aus, Standorte werden geschlossen oder verlagert, Arbeitsplätze verschwinden. Wenn Arbeit teurer und unkalkulierbarer wird, wird sie unattraktiv. Das ist kein kurzfristiger Schmerz. Das sind strukturelle Schäden, die sich nicht einfach zurückdrehen lassen und jeden einzelnen von uns treffen.
Wohin der CO₂-Preis wirklich fließt
Die großen Emissionsrückgänge im europäischen Emissionshandel kamen vor allem aus dem Stromsektor, dem geplanten Kohleausstieg und Ausbau der erneuerbaren Energien. Im Gebäude- und Verkehrssektor, den der nationale Preis abdeckt, ist die Lenkungswirkung dagegen begrenzt. UBA- und Prognos-Analysen zeigen zudem, dass die Einsparungen durch den Preis, vergleich zu den Kosten sehr bescheiden ausfallen.
Global betrachtet ist der deutsche Beitrag ohnehin marginal. Deutschland liegt bei rund 1,5 bis 2 Prozent der weltweiten Emissionen. Solange China, Indien und andere weiter massiv Kohle verfeuern, ändert der deutsche Preis am Weltklima so gut wie nichts. Er verschiebt Emissionen oder verteuert den Standort.
Das Geld fließt in den Klima- und Transformationsfonds. Milliarden pro Jahr. Ob diese Mittel effizient in echte Emissionsvermeidung oder in Bürokratie, Förderchaos und Symbolprojekte versickern, ist eine offene Frage. Die Einnahmen sind sicher. Eine klimawirksame Verwendung ist dies dagegen nicht.
Innovationen werden gehemmt, statt angetrieben
Die Theorie klingt schön: Hohe Preise zwingen Unternehmen zu neuen Lösungen. In der Praxis passiert das Gegenteil. Der CO₂-Preis macht bestehende fossile Prozesse teurer, ohne echte Durchbrüche zu erzwingen. Betriebe stecken ihr Kapital zuerst in Zertifikate, in teure Anpassungen an das aktuelle System und in die Bewältigung der Bürokratie. Was übrig bleibt, reicht selten für riskante Forschung an wirklich neuen Technologien.
Wer jeden Monat höhere Energie- und Zertifikatskosten stemmen muss, hat weniger Spielraum für Experimente. Innovation entsteht nicht unter ständigem Kostendruck und regulatorischer Unsicherheit. Sie entsteht, wenn Energie planbar und vergleichsweise günstig ist und wenn der Staat Technologieoffenheit zulässt, statt über Preise und Verbote den Weg vorzugeben. Der aktuelle Ansatz belohnt vor allem die Weiterführung teurer Systeme, nicht den Ausbruch daraus.
Die Alternative
Der CO₂-Preis ist kein Klimaschutzinstrument mit durchschlagender Wirkung. Er ist ein Einnahme- und Steuerungsinstrument, das privat teuer, wirtschaftlich belastend und global weitgehend wirkungslos ist.
Der Ausbau der Erneuerbaren muss weitergehen. Nicht trotz, sondern weil sie langfristig die günstigste und skalierbarste Option sind. Der Markt wird Elektroautos und Wärmepumpen durchsetzen, das ist keine Frage des Glaubens, sondern der Kostenkurve. Entscheidend wird hier jedoch die Infrastruktur sein. Sowohl bei den Netzen, dem Speicher, als auch der Ladeinfrastruktur und Wärmeplanung.
Eine EEG-Umlage oder vergleichbare, transparente Finanzierung des Ausbaus wäre deutlich wirkungsvoller die aktuelle CO₂-Bepreisung. Sie würde den Ausbau direkt finanzieren jedoch bestehende fossile Heizungen und Autos nicht zusätzlich verteuert. Der CO₂-Preis ist in der Praxis eine zusätzliche Belastung, die kaum Lenkungswirkung entfaltet, solange die Alternativen für viele noch zu teuer oder die entsprechende Infrastruktur nicht vorhanden ist.
Robert Habecks gescheitertes Heizungsgesetz war in der Grundidee für Neubauten durchaus nachvollziehbar. Wer neu baut, sollte nicht mehr auf fossile Systeme setzen, die in 20 Jahren ohnehin unwirtschaftlich werden. Bei Bestandsgebäuden dagegen braucht es jedoch dauerhafte Ausnahmen und realistische Übergangsfristen. Alte Häuser werden nicht von heute auf morgen saniert. Sie werden irgendwann unlukrativ oder ersetzt. Zwangssanierungen und explodierende Kosten für Menschen, die sich das nicht leisten können, führen dagegen zur starker Unsicherheit.
Beim Strommarkt sollten wir den Markt entscheiden lassen, mit dem klaren Wissen, dass Erneuerbare langfristig die Kostenstruktur auf ihrer Seite haben. Neue Kernkraftwerke in Deutschland werden wir so schnell nicht sehen. Der Bau ist extrem teuer, dauert Jahrzehnte und müsste massiv vom Staat subventioniert werden. Ein Verbot braucht es nicht, die wirtschaftliche Realität reicht völlig aus. Die Forschung an der Technologie muss dennoch möglich bleiben. Was heute unwirtschaftlich ist, kann sich in zwanzig Jahren ändern. Technologieverbote aus Prinzip werden uns hier nicht weiterhelfen.
Quellen:
DEHSt – Nationalen Emissionshandel verstehen (Preisregeln 2026)
Finanztip – CO₂-Preis 2026 für Heizen und Tanken
Höhere Belastung für Einkommensschwache Haushalte (DIW-Berlin)