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Eine verzerrte Debatte in der Verkehrspolitik

Auch der Individualverkehr hat Zukunft

In Teilen der progressiven Politik und in weiten Bereichen der Medien hat sich ein Narrativ festgesetzt, das den motorisierten Individualverkehr pauschal als Problem darstellt. Autos seien klimaschädlich, stadtfeindlich, rückständig. Die Lösung liege in weniger Straßen, weniger Parkplätzen, mehr Restriktionen und der Hoffnung auf eine massive Verlagerung auf Schiene und ÖPNV.

Diese Sicht ist nicht nur einseitig, sondern schädlich. Sie ignoriert die tatsächliche Mobilitätsrealität in Deutschland, ein Land mit vielen ländlichen und suburbanen Räumen, mit dezentraler Wirtschaft und mit Millionen Menschen, die täglich pendeln. Die offizielle Verkehrsprognose für das Jahr 2040 zeigt klar, dass der Pkw-Anteil an der Personenverkehrsleistung, trotz des massiven Ausbaus von Schiene und Radwegen weiterhin bei rund 69 % liegen wird. Die geführten Debatten tun so, als wäre das ein Skandal. In Wahrheit ist es die Realität eines funktionierenden Landes.

Die Folgen für die Innenstädte

Viele Innenstädte leiden unter Leerstand, schließenden Kaufhäusern und einer immer einseitiger werdenden Geschäftskultur. Politisch wird das oft allein auf Migration oder einer „fehlenden Vielfalt“ geschoben, dabei liegt ein großer Teil ganz woanders. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für klassischen Einzelhandel haben sich durch den Online-Handel, hohe Kosten und starre Mieten dramatisch verschlechtert. Gleichzeitig machen die restriktiven Verkehrspolitiken (Abbau von Parkplätzen hohe Gebühren, starke Kontrollen mit hohen Bußgeldern) die Innenstädte für viele Menschen kaum noch attraktiv.

Wer als Pendler oder Kunde mehrmals die Woche in die Stadt muss und dort das Gefühl hat, unerwünscht zu sein, bleibt lieber draußen. Gleichzeitig profitieren oft genau jene kleinteiligen Betriebe, die niedrige Eintrittsbarrieren haben. Das Ergebnis ist kein lebendiges, vielfältiges Stadtbild, sondern oft das Gegenteil dessen, was die Befürworter von „autofreien“ oder „autoarmen“ Städten versprechen.

Die Folgen in der Industrie

Die deutsche Autoindustrie steckt in einem harten Wandel. Die Konkurrenz aus China, der teure Technologiewechsel und globale Überkapazitäten machen es den Unternehmen zusehends zu schaffen. Über 100.000 Jobs sind seit 2019 bereits weggefallen, weitere Streichungen sind angekündigt. In dieser Lage wäre eine klare, technologieoffene und verlässliche Politik hilfreich gewesen. Stattdessen gab es schwankende Förderungen, ideologische Grabenkämpfe und eine öffentliche Debatte, die das eigene Produkt der Industrie, das Auto oft als gesellschaftliches Problem darstellt.

Es bremst die Akzeptanz für den notwendigen Umstieg auf Elektromobilität im Inland und erschwert es der Industrie, in einem schwierigen Umfeld zu bestehen. Wer die heimische Nachfrage durch restriktive Stadtpolitik und negative Narrative weiter schwächt, trägt zur ebenfalls zur eigenen Deindustrialisierung bei.

Die Schiene kann den Individualverkehr nie ersetzen

Die Vorstellung, man könne große Teile des Autoverkehrs einfach auf die Schiene verlagern, hält einer nüchternen Betrachtung nicht stand. Die Schiene ist hervorragend für dichte Korridore und große Mengen auf wenigen Strecken. Sie ist aber kein Ersatz für flächendeckende, flexible, individuelle Mobilität.

Deutschland hat eine Siedlungsstruktur, die nicht mit den Niederlanden oder Dänemark vergleichbar ist. Viele Menschen wohnen und arbeiten nicht in Ballungsräumen mit perfekter Anbindung. Für Familien mit Kindern und Gepäck, Handwerker mit Werkzeug, Pflegekräfte mit wechselnden Einsatzorten, Menschen auf dem Land oder in Kleinstädten, ist das Auto oft die einzige praktikable Lösung. Der Individualverkehr bietet Tür-zu-Tür-Mobilität, zeitliche Flexibilität, Privatsphäre und die Möglichkeit, auch außerhalb fester Linien unterwegs zu sein. Das ist kein Luxus. Das ist für viele Menschen schlicht die Voraussetzung für ein selbstbestimmtes Leben und für die Ausübung ihres Berufs.

Der Freiheitsaspekt wird vergessen

Niemand bestreitet, dass das eigene Auto einen sehr hohen Kostenfaktor darstellt. Dennoch bietet es etwas, das Bus, Bahn oder Flugzeug in dieser Form nicht leisten können: individuelle Freiheit. Die Freiheit, spontan zu fahren, wann und wohin man will. Die Freiheit, auch abends oder am Wochenende mobil zu sein, ohne auf Fahrpläne angewiesen zu sein. Die Freiheit, mit der eigenen Familie oder mit Gepäck unterwegs zu sein, ohne Kompromisse.

Diese Freiheit ist vielen Menschen etwas wert. Sie aufzugeben oder sie systematisch zu erschweren, ist kein Fortschritt, sondern ein Rückschritt in Sachen Lebensqualität und Selbstbestimmung. Eine Gesellschaft, die diese Freiheit nur noch denjenigen zugesteht, die in perfekt angebundenen Stadtvierteln wohnen, spaltet sich.

Der sinnvolle Plan für die Zukunft

Statt einer ideologisch aufgeladenen Debatte, die den Individualverkehr verteufelt, bräuchte es eine klare Priorität. Der Individualverkehr muss zukunftsfähig gemacht werden. Auf langer Sicht bedeutet das vor allem Elektrifizierung, nicht durch Gesetze, sondern aufgrund der klaren Marktsituation. Es bedeutet bessere Ladeinfrastruktur und die Ermöglichung günstigerer Einstiegsmodelle.

Ebenso haben natürlich auch smarte Kombinationen mit anderen Verkehrsmitteln ihren Platz, überall dort, wo sie wirklich Sinn ergeben (Park-and-Ride, geteilte Mobilität in dichten Zentren).

Die realen Bedürfnisse der Menschen sollten wieder ernst genommen werden, statt sie mit immer stärkeren Restriktionen zu gängeln. Der Markt entscheidet ohnehin, welche Formen der Mobilität sich durchsetzen. Er bedarf dafür keine Debatte darüber, ob das Auto als solches noch legitim wäre.

Der Individualverkehr hat eine Zukunft. Er wird bleiben, weil er für sehr viele Menschen die beste verfügbare Lösung ist. Wer das ignoriert, schadet nicht nur der Industrie und den Städten. Er schadet der Freiheit und der Lebensqualität von Millionen Menschen in diesem Land.

Quellen:

Umweltbundesamt

Bundesministerium für Verkehr (PDF)

Handelsverband Deutschland