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Die Zuckerabgabe: Gesundheitspolitik oder Steuertrick?

Eine Zuckerabgabe dient keiner Gesundheit

Die Bundesregierung diskutiert die Einführung einer Zuckerabgabe, angeblich, um die Gesundheit der Bevölkerung zu schützen. Bei genauer Betrachtung lässt sich jedoch schnell erkennen, dass es nicht um unser persönliches Wohl geht, vielmehr um das Befüllen leerer Kassen. Während die Politik die Steuer als Fortschritt verkauft, zeigen internationale Erfahrungen und wissenschaftliche Studien, dass die Zuckerabgabe kein Allheilmittel darstellt. Eher belastet sie uns als Verbraucher, verzerrt den Markt und bringt kaum gesundheitliche Vorteile.

Warum eine Zuckerabgabe ihr Ziel verfehlt

Auf den ersten Blick mag es sehr logisch klingen. Zucker ist ungesund, also sollten Produkte mit entsprechendem Inhalt teurer werden. Die Realität dahinter ist komplexer und die angeblichen Lösungen dienen oft nur zum Schein.

Die Industrie reagiert auf Zuckersteuern, bzw. Abgaben meist mit einem einfachen Trick: Sie ersetzt Haushaltszucker durch Süßstoffe wie Aspartam, Sucralose oder Maltodextrin. Diese sind nicht per se gesünder, im Gegenteil.

Studien zeigen, dass Menschen mehr von Light-Produkten konsumieren, weil sie sich „schuldfrei“ fühlen. Eine Studie aus dem American Journal of Clinical Nutrition, aus dem Jahr 2017 belegt, dass der Konsum von zuckerfreien Alternativen oft sogar zu einer höheren Gesamtkalorienaufnahme führt.

Zwar sind Süßstoffe in Maßen unbedenklich, aber Langzeitstudien (z. B. JAMA Internal Medicine, aus dem Jahr 2017) deuten auf mögliche Zusammenhänge mit Stoffwechselstörungen und Darmmikrobiom-Veränderungen hin.

Um so mehr Süßstoffe wir konsumieren um so mehr gewöhnt sich unser Körper an dem entsprechenden Geschmack und verlangt noch mehr davon. Das führt zu einem Teufelskreis aus Heißhunger (ausgelöst durch fehlender Energie) und Überkonsum.

Eine Zuckersteuer führt nicht automatisch zu gesünderem Verhalten. Sie verlagert nur das Problem, von Zucker zu künstlichen Alternativen.

Das beschönigte „Vorbild“ von Großbritannien

Während die 2018 in Großbritannien eingeführte Zuckersteuer immer noch oft als Erfolg verkauft wird zeigen die tatsächlichen Daten ein eher gemischtes Bild.

Zwar sank der Zuckergehalt in den Getränken, jedoch hatte dies keinen Einfluss auf dem gesamten Zuckerkonsum selbst. Eine Analyse des BMJ, aus dem Jahr 2023 kommt zu dem Schluss, dass es keinen signifikanten Rückgang von Adipositas oder Diabetes gab.

Die Hersteller nutzen seit dem gekonnt Süßstoffe anstatt die Produkte wirklich zu verändern.

Ebenso anzuführen ist die daraus entstandene soziale Ungerechtigkeit. Besonders ärmere Haushalte greifen tendenziell öfter auf Zuckerhaltige Produkte zurück und werden somit proportional stärker belastet.

Die britische Zuckersteuer hat keine „Gesundheitsrevolution“ ausgelöst. Sie entpuppte sich als reines Finanzinstrument.

Wenn die Steuer gesunde Produkte trifft

Auch wenn 100%ige Fruchtsäfte von der Besteuerung ausgenommen werden, hätte diese Regelung ebenfalls verheerende Folgen für höhenwertige Produkte. Eine derartige Regelung wäre inkonsistent und würde den Markt weiter verzerren.

Fruchtzucker (Fruktose) wird vom Körper nicht grundlegend anders verarbeitet als Haushaltszucker (Saccharose), wenn er in großen Mengen und ohne Ballaststoffe konsumiert wird. Ein Glas Orangensaft enthält ebenso viel Zucker wie ein Glas Limonade, doch nur Letztere hätte Abgaben zur Folge.

Diese Ausnahme würde jedoch nur für reine Säfte gelten, nicht jedoch für Limonaden mit Fruchtgehalt (z. B. „Fruchtnektare“ oder „Fruchtgetränke“ mit 25–50% Saftanteil). Diese enthalten oft ebenso viel oder sogar mehr Zucker als reine Säfte, sind hochwertiger als künstlich gestreckte Limonaden, würden dennoch vollständig belastet.

Die Hersteller werden sich anpassen um ihre Produkte weiterhin kostengünstig anbieten zu können und anstatt echten natürlichen Zutaten noch stärker auf künstliche zugreifen. Ob so ein Handeln für den Verbraucher gesünder sei, ist durchaus in Frage zu stellen.

Warum die Zuckerabgabe vor allem eine Einnahmequelle ist

Die Diskussion um die Zuckersteuer, bzw. einer entsprechenden Abgabe kommt genau in einer Phase, in der die Haushaltslage des Staates angespannt ist. Die Energiekrise, die Schuldenbremse und die Inflation werden für unsere Bundesregierung zur Zerreißprobe. Entsprechend verständlich ist die Suche nach neuen Einnahmequellen.

Historische Parallelen lassen sich sowohl bei der Tabak und Alkoholsteuer ziehen. Auch hier wurde die Gesundheit als Argument genannt. Auch hier ging es nie um echte Prävention, sondern um eine neue, möglichst dauerhafte Einnahmequelle.

Bezeichnend dabei auch, dass man beim Thema der Zuckerabgabe schnell eine Einigung fand, der ebenso oft geforderte Wegfall von Mehrwertsteuer auf Obst und Gemüse jedoch bis heute keine Umsetzung findet, geschweige ernsthaft diskutiert wird.

Wenn der Staat neue Steuern einführt, sollte er auch bereit sein andere Steuern senken. Stattdessen wird nur über weitere Belastungen diskutiert, sei es die CO2, oder Plastiksteuer.

Ebenso Paradox sind die Subventionen die unser Staat immer noch regelmäßig gegenüber unserer Zuckerindustrie leistet. Wie kann der Staat Zucker besteuern und gleichzeitig seine Produktion fördern?

Das Fazit

Anstatt vornherein zu Bestrafen, sollte der Staat schauen wie er jedem eine wirklich gesunde Lebensweise ermöglichen kann. Flächendeckenden Kampagnen für Ernährungsbildung und ein Wegfall der Mwst. für gesunde Lebensmittel könnten einen tatsächlichen Effekt bringen. Die geplante Zuckerabgabe ist dagegen keine Gesundheitsmaßnahme, sondern lediglich ein Steuertrick mit moralischem Deckmantel.

Quellen:

Berichte zur UK Soft Drinks Industry Levy (BMJ)

Langzeitstudien zu Stoffwechselstörungen, Darmmikrobiom (JAMA Internal Medicine 2017)

Einfluss der Zuckersteuer in Großbritannien (BMJ 2023)